Männer, die einfach malen. Mit viel Glitzer.
- Silke Lück

- 27. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Apr.
Über Freiheit, Farbe und einen inneren Kritiker, den manche nie kennengelernt haben.

Es gibt Momente, die mich still werden lassen.
Ich verteile Farbtuben auf dem Tisch. Pink. Himmelblau. Sonnengelb. Pinsel. Papier. Mischpaletten. Ich gebe einen kleinen Impuls: „Heute malen wir den Himmel. So wie du magst."
Am Maltisch sitzen ausschließlich Männer.
Kein Zögern. Kein Zweifeln. Einfach loslegen.
Sie greifen zu Pinseln und Farben, ohne zu überlegen. Kein prüfender Blick zu den anderen. Keine Unsicherheit. Sie wählen, was ihnen gefällt, bringen es aufs Papier. Und dann sind wir alle gemeinsam für eine kleine Ewigkeit woanders. Konzentriert. Leise. Ganz im Tun. Und in der Freude.
Was dabei entsteht, lässt mich jedes Mal staunen.
Ihre Bilder folgen keiner erkennbaren Logik. Die Farben landen dort, wo sie sich richtig anfühlen. Nicht dort, wo sie „schön aussehen“ sollen. Formen entstehen frei, manchmal fast abstrakt. Überraschend. Besonders.
Wer sitzt da eigentlich am Tisch?
Neben meinen Kursen arbeite ich in einer Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen. In unserer Wohngruppe leben ausschließlich Männer.
Männer, denen die Gesellschaft oft wenig zutraut. Erst recht in Sachen Kreativität.
Ich erlebe sie anders. Sie haben Freude an Farben, an Materialien. An allem, was sich aufs Papier bringen lässt. Sie gestalten ganz selbstverständlich. Sind bei sich. Versunken und gleichzeitig präsent. Folgen ihren Impulsen, klar und unbeirrt.
Sie lieben Glitzer. Und sie lieben ihre Bilder.
Sie greifen zu Glitzerstiften, Aufklebern, Sternen, Schmetterlingen, Blumen. Zu knalligen Farben, Glitzersteinen, Washitape in Metallic, Herzkonfetti. Alles, was funkelt und strahlt, verteilen sie auf ihren Bildern wie ein kleines Feuerwerk.
Und wenn sie fertig sind, freuen sie sich.
Keine Selbstkritik. Keine Unzufriedenheit. Kein Vergleichen.
Im Gegenteil: Die Bilder werden aufgehängt. Im Zimmer. An der Tür. In der Küche, wo sie jeder sehen kann. Und wir freuen uns täglich gemeinsam darüber.
Ich denke oft: Wir können so viel von ihnen lernen.

Der Gedanke, der mich nicht loslässt
Warum ist das so? Woher kommt diese Leichtigkeit? Diese grenzenlose Freude am kreativen Ausdruck?
Ich glaube, niemand hat ihnen je gesagt, dass sie falsch malen.
Für viele von uns kam dieser Moment irgendwann. In der Kindheit. Vielleicht im Kunstunterricht. Plötzlich gab es Noten. Vergleiche. Blicke, die bewerten. Sätze, die hängen bleiben. Bilder, die scheinbar besser sind als das eigene.
Und aus freiem Ausdruck wird eine Aufgabe. Aus Freude wird Unsicherheit. Und irgendwann hören wir auf zu malen.
Der innere Kritiker übernimmt.
Sie haben etwas bewahrt
Die Männer in meiner Wohngruppe tragen das nicht. Zumindest nicht, wenn es ums Malen geht.
Vielleicht, weil niemand ihre Bilder bewertet hat. Vielleicht, weil sie einfach malen durften. So, wie sie wollten und konnten.
Sie haben etwas bewahrt, das viele von uns verloren haben:
Die Freiheit, einfach anzufangen.
Und die Freude am Tun.
Was sie mich lehren
Sie erinnern mich daran, wie sich freies Malen anfühlt.
Ohne Ziel. Ohne Erwartung. Ohne Bewertung.
Farben wählen, weil sie sich gut anfühlen.
Glitzer benutzen, ohne sich zu fragen, ob das „passt“.
Einfach ins Tun kommen, ohne vorher zu zweifeln, ob das Ergebnis gut genug sein wird.
Das inspiriert mich. Dieses stille Wissen begleitet mich.
Und jedes Mal, wenn ich mit ihnen male, werde ich selbst ein kleines bisschen freier.
Jedes Mal ein bisschen mehr zurück zur Freude
Heilsames intuitives Malen ist für mich genau das: ein Weg zurück.
Nicht über Technik. Nicht über Können.
Sondern über Erlaubnis.
Die Erlaubnis, einfach zu malen. Ohne Bewertung. Ohne Vergleich. Kunterbunt. Frei. Unbeschwert. So, wie wir alle einmal gemalt haben.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl noch.
Und vielleicht spürst du, dass du dem wieder ein Stück näher kommen möchtest.
Möchtest du selbst erleben, wie es sich anfühlt, einfach zu malen? Ohne Bewertung, ohne Druck? In meinen Kursen für Heilsames Intuitives Malen in der Region Winnenden lade ich dich dazu ein: einfach loslegen, ausprobieren, eintauchen. Glitzer gibt es übrigens auch. Wer möchte. :)




Kommentare