Ich male wie ein Kind.
- Silke Lück

- 3. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Warum das nichts ist, wofür du dich schämen musst.

Eine Teilnehmerin schaut auf ihr Bild. Dann sagt sie leise: „Ich male wie ein Kind."
Sie meint es nicht als Kompliment. Ich höre die Entschuldigung darin. Das Zögern. Das leise Gefühl, nicht gut genug zu sein.
Ich kenne diesen Moment. Ich habe ihn schon viele Male erlebt.
Und jedes Mal denke ich: Ja. Genau so. Und es ist wunderschön.
Was „Ich male wie ein Kind“ wirklich bedeutet
Wenn Teilnehmerinnen das sagen, meinen sie selten Kinderzeichnungen an sich. Sie meinen: Ich habe keine Übung. Ich kann nicht realistisch zeichnen. Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Meine Hand macht nicht, was ich mir vorstelle.
„Wie ein Kind" ist ein Vergleich für das, was sie als Anfängerniveau empfinden. Eine Selbstabwertung, verkleidet als Beschreibung.
Strichmännchen. Eine Sonne mit Strahlen. Ein Haus mit Dreiecksdach. Bilder, die direkt aus der Kindheit kommen. Die meisten von uns hörten als Kind auf zu malen. Und fingen nie wieder an. Wie soll das Bild also aussehen, wenn das letzte Mal Jahrzehnte zurückliegt?
Beim intuitiven Malen geht es aber nicht darum, wie das Bild aussieht. Es geht darum, was du beim Malen erlebst. Ich selbst male die einfachsten Bilder. Bilder, die aussehen, wie von einem Kind gezeichnet. Und ich ziehe Erkenntnisse daraus, die mich überraschen. Immer wieder.
Warum viele Menschen verlernen, frei zu malen
Ich arbeitete vor einiger Zeit in der Nachmittagsbetreuung einer Grundschule. Und ich beobachtete etwas, das mich bis heute nicht loslässt.
Erstklässler malen einfach drauflos. Ich teile Woodys aus, lege Papier hin und brauche nichts weiter zu tun. Sie haben eigene Ideen. Malen fantasievolle Bilder. Erzählen Geschichten dazu. Und sie zeigen mir das Bild. Stolz und freudig.
Ein Jahr später. Dieselbe Schule. Ähnliche Kinder. Schon unsicher. Schon selbstkritisch.
Ein Mädchen möchte ein Kamel malen. Sie schaut mich an und fragt: „Kannst du mir das malen? Ich kann das nicht."
Ein Jahr.
Was ist passiert? Bewertung. Note. Der Vergleich mit den anderen. Der Moment, in dem jemand, vielleicht ohne böse Absicht, signalisiert: So geht das nicht.
Aus freiem Ausdruck wird eine Aufgabe mit richtig und falsch. Und viele hören einfach auf. Nicht dramatisch. Leise. Sie legen den Stift weg und greifen nie wieder danach.
Das Missverständnis
Hier wird es interessant. Denn das, was Erwachsene meinen, wenn sie sagen „ich male wie ein Kind", ist eigentlich das Gegenteil von dem, was Kinder wirklich können.
Echte Kinderzeichnungen sind mutig. Spontan. Ausdrucksstark. Kinder malen ohne Angst vor Fehlern. Ohne Fragen nach Proportion oder Perspektive. Sie malen, was sie fühlen, nicht, was sie sehen.
Viele Erwachsene Anfänger sind das Gegenteil davon. Vorsichtig. Gehemmt. Kontrolliert. Sie glauben, sie malen zu sehr wie Kinder. Dabei malen sie zu wenig wie Kinder.
Was ihnen fehlt, ist genau das, was Kinder noch haben.
Künstler wollen wie Kinder malen
Der Künstler Pablo Picasso soll einmal gesagt haben: „Ich brauchte Jahre, um wieder wie ein Kind malen zu lernen."
Als ich dieses Zitat zum ersten Mal las, berührte es mich sofort. Denn es bringt auf den Punkt, was viele Künstler ihr Leben lang suchen: Echtheit. Spontaneität. Mut zur Unvollkommenheit.
Was wir als Makel sehen, ist in Wahrheit das Kostbarste.
Was intuitives Malen zurückbringt
Hier setzt Heilsames Intuitives Malen an.
Es geht nicht darum, ein schönes Bild zu malen. Oder zu malen wie ein Erwachsener. Es geht darum, wieder anzufangen. Den Stift in die Hand zu nehmen, ohne zu wissen, was entsteht. Zu vertrauen, dass das reicht.
Und etwas passiert dabei. Leise, manchmal. Manchmal überraschend stark.
Ich erzähle dir von meinem eigenen Bild. Wir malten unser inneres Spielkind. Im Meisterkurs bei Ulrike Hirsch. Meine kleine Silke wollte Rollschuhe. Einen Wasserball. Bonbon-Asphalt. Sechs Kugeln Schoko-Eis. Glitzerohrringe. Sie brauchte Platz. Ich breitete mich von A4 auf A1 aus. Glitzersterne zum Regenbogen. Lila Katze mit grünen Wackelaugen. Ich folgte jeder noch so albernen Idee. Es machte riesigen Spaß.
Ich mag mein Bild. Sehr.
Und ich mag die Kleine. Du schaust auf dein Bild und du denkst: Das bin ich. Du fühlst, was du beim Malen fühltest. Und du mit der Zeit magst du, was du siehst. Das ist die Magie des Heilsamen Intuitiven Malens.

Diese Freude am Malen. Das Spielen auf dem Papier. Genau wie damals. Als du noch gar nicht wusstest, dass Malen schwer sein soll. Als du noch nicht wusstest, dass Bilder bewertet werden. Sie schön oder eben nicht schön sein können.
Wer das einmal gespürt hat, versteht, warum ich dieses intuitive Malen so liebe. Was es bewirken kann und was dabei möglich wird, erzähle ich hier.
Wenn der innere Kritiker still bleibt
Es gibt Menschen, bei denen dieser innere Kritiker gar nicht erst laut wurde. Die einfach malen. Frei, freudig und ganz im Moment.
Was ich in meiner Arbeit mit einer ganz anderen Gruppe erlebe, hat mich tief berührt. Hier lesen.
„Ich male wie ein Kind". Eine Einladung
Wenn du das nächste Mal vor einem leeren Blatt sitzt und dieser Gedanke kommt, nimm ihn anders.
Nicht als Urteil. Sondern als Einladung.
Wie ein Kind malen bedeutet: ohne Angst anfangen. Fühlen statt kontrollieren. Im Moment sein.
Das ist kein Rückschritt. Das ist eine Rückkehr. Zu etwas, was immer in dir war. Das niemand wirklich wegnehmen kann.
Es wartet nur darauf, wieder gefunden zu werden.
Möchtest du erfahren, wie es sich anfühlt, einfach loszumalen? Dann bist du herzlich eingeladen. In meinen Kursen, beim nächsten TanzMal-Event, oder im Workshop „Das Kind in dir will malen“, erlebst du genau das. Und du entwickelst nach und nach einen liebevolleren Blick auf das, was aus dir entsteht.




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